{"id":93055,"date":"2019-10-07T16:08:35","date_gmt":"2019-10-07T23:08:35","guid":{"rendered":"https:\/\/jonestown.sdsu.edu\/?page_id=93055"},"modified":"2025-02-19T11:53:33","modified_gmt":"2025-02-19T19:53:33","slug":"meine-peoples-temple-christian-church-erfahrung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/jonestown.sdsu.edu\/?page_id=93055","title":{"rendered":"Meine Peoples Temple Christian Church-Erfahrung"},"content":{"rendered":"<p><em>[Die englische Originalversion dieses Texts finden Sie\u00a0<\/em><em><a href=\"https:\/\/jonestown.sdsu.edu\/?page_id=80741\"><strong>hier<\/strong><\/a><\/em><em>.]<\/em><\/p>\n<p>Ich wuchs auf in der Stadt Compton in Kalifornien, \u00fcbersiedelte dann nach Watts und ging danach wieder nach Compton, zur\u00fcck in dasselbe Haus. Mit meiner Gro\u00dfmutter ging ich in den Peoples Temple in Los Angeles, bis ich zw\u00f6lf Jahre alt war. Es war eine freundliche Kirche. Gut, es war die einzige Kirche, die ich kannte. Wir waren wie eine gro\u00dfe, gigantische Familie. Egal, welcher Hautfarbe, alle verstanden sich gut. Alle Farben waren zusammen vereint, und f\u00fcr mich war das wirklich wundervoll. Wenn ich nicht gerade in der Kirche war, war ich in der Schule.<\/p>\n<p>Ich war erst zw\u00f6lf, als ich die Nachrichten \u00fcber Guyana im Radio h\u00f6rte. Jung. Radioh\u00f6ren war in jenen Tagen mein Zeitvertreib. Als auf 1580 K-Day<a title=\"\" href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> die Musik f\u00fcr eine Nachrichtendurchsage unterbrochen wurde, wechselte ich einfach den Sender, weil das Lied, das dadurch unterbrochen wurde, ohnehin nicht zu meinen Lieblingsliedern geh\u00f6rte. Ich wechselte zu 1230 KGFJ<a title=\"\" href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. Diesmal war das Lied, das unterbrochen wurde, von Bobby Caldwell, es hie\u00df \u201cWhat You Won\u2019t Do for Love.\u201d Ich liebte dieses Lied, weil es das Lieblingslied meiner Schwester war, und da ich den Text kannte, sang ich w\u00e4hrend der Nachrichtendurchsage einfach weiter. Ich h\u00f6rte nicht wirklich <em>zu<\/em>, was in den Nachrichten gesagt wurde \u2013 erst ein paar Sekunden sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Und dann traf es mich wie eine Tonne Ziegelsteine! Mehr als 900 Menschen hatten Zyanid-haltiges Kool-Aid<a title=\"\" href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> getrunken und waren gestorben. Ich wusste damals nicht, was Zyanid war, aber dann sah ich ein Foto von all diesen schwarzen Menschen, die tot auf dem Boden lagen. Ich konnte es nicht glauben. Das war, wo meine Urgro\u00dfmutter war. Das war, wo wir selber auch hinziehen sollten, sobald die Geburtsurkunde meiner Gro\u00dfmutter mit der Post gekommen war. Wow. Ich war am Boden zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Meine Gro\u00dfmutter rief sofort andere Familienmitglieder an, um zu fragen, ob sie auch davon geh\u00f6rt h\u00e4tten. Und dann sah sie es selbst auf den Channel 7-Nachrichten. Und nach diesem verh\u00e4ngnisvollen Tag war sie nie wieder dieselbe.<\/p>\n<p>Auch in mir hatte sich etwas ver\u00e4ndert. Ich wurde geh\u00e4ssig und sarkastisch. Ich h\u00f6rte auf, an Gott zu glauben, weil er das meiner Urgro\u00dfmutter angetan hatte, weil er das meiner Gro\u00dfmutter angetan hatte. Ab da wurde ich straff\u00e4llig. Ich endete schlie\u00dflich in der Jugendstrafanstalt, auf der Suche nach einer Familie, die mich liebte.<\/p>\n<p>Lasst mich euch zeigen, was dieser Tag mir angetan hat. Reden wir \u00fcber die Menschen in Guyana, die meine wahren Freunde waren und dort gestorben sind:<\/p>\n<p><strong>Gladys Roberts<\/strong>: Meine geliebte Urgro\u00dfmutter, die fr\u00fcher in der 10221 Clovis Avenue in Los Angeles gelebt hat, glaubte, dass dieses Monster Jim Jones ein Gott war.<\/p>\n<p><strong>Wanda Mitchell<\/strong>: Das M\u00e4dchen, das mich gelehrt hat, franz\u00f6sische Z\u00f6pfe zu flechten, war meine beste Freundin. Sie hatte eine gro\u00dfe Familie, und alle in dieser Familie behandelten mich, als ob ich dazugeh\u00f6rte. Ich habe viele N\u00e4chte in deren Haus an der 50.Stra\u00dfe\/Avalon Stra\u00dfe in Los Angeles verbracht.<\/p>\n<p><strong>Wanda Baisy<\/strong>: Sie hat mir beigebracht, mich gegen Jungs zu behaupten und sie zu verpr\u00fcgeln, statt, wie ich, vor ihnen Angst zu haben.<\/p>\n<p><strong>Shirley und Ben Robinson<\/strong>: Das waren die besten Freunde und Nachbarn meiner Tante Shirley, sie haben uns immer besucht.<\/p>\n<p><strong>Heloise Hall<\/strong>: Die Organistin der Kirche; ihre Tochter ist schlie\u00dflich zu meiner Gro\u00dfmutter in die Clovis Avenue gezogen.<\/p>\n<p><strong>Delicia Souder<\/strong>: Das M\u00e4dchen, das bei den Mitchells wohnte, ich spielte immer mit ihr, wenn ich am Wochenende zu ihnen r\u00fcber ging. Es waren immer ich, sie und Wanda (obwohl sie j\u00fcnger war als wir).<a title=\"\" href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p><strong>James Turner<\/strong>: Ich kannte die ganze Familie, aber er war der einzige, der [nach Guyana] ging. Der Rest der Familie bereitete sich darauf vor, ebenfalls hinzuziehen.<\/p>\n<p>Ich glaube nicht, dass irgendjemand, der mit dieser Trag\u00f6die in Verbindung stand, je wieder derselbe war wie vorher. Ich bin jetzt 52 Jahre alt und habe eine Menge erlebt, aber das ist die schlimmste Trag\u00f6die, die ich erlebt habe, allein schon wegen der Tatsache, dass diese Menschen diesem Mann vertrauten, der sie so \u00fcbel get\u00e4uscht hat. Meine Urgro\u00dfmutter gab diesem Mann alles, und so hat er es ihr vergolten. Ich habe es damals nicht verstanden, aber ich verstehe es jetzt. Er war ein Betr\u00fcger, und er betrog all diese Menschen, und sie glaubten ihm, und sie sind alle gestorben.<\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Regionalsender in Los Angeles<\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Regionalsender in Los Angeles<\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Limonadensorte<\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Delicia Souder war erst sechs Jahre alt, als sie in Jonestown starb.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[Die englische Originalversion dieses Texts finden Sie\u00a0hier.] Ich wuchs auf in der Stadt Compton in Kalifornien, \u00fcbersiedelte dann nach Watts und ging danach wieder nach Compton, zur\u00fcck in dasselbe Haus. Mit meiner Gro\u00dfmutter ging ich in den Peoples Temple in Los Angeles, bis ich zw\u00f6lf Jahre alt war. Es war eine freundliche Kirche. 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