Jim Jones und der Massensuizid von Jonestown 1978

by Marie Eisenburger

Die Autorin: Marie Eisenburger, geboren 2001, lebt in Wien. Der vorliegende Aufsatz entstand als sogenannte „Vorwissenschaftliche Arbeit“ im Rahmen der Ablegung ihrer Reifeprüfung im Jahr 2019, am Gymnasium Wenzgasse, 1130 Wien. Marie ist während eines Auslandssemesters in Kanada auf das hier behandelte Thema gestoßen und war insbesondere von der Manipulationskraft Jim Jones‘ gegenüber der von ihm geleiteten Gruppierung fasziniert. Kernstück der vorliegenden Arbeit ist somit eine Untersuchung des Phänomens der Massenmanipulation am Beispiel Jonestown/Peoples Temple (Kapitel 2, „Sekten“). Darüber hinaus stellt Kapitel 1, das die Entwicklung des Peoples Temple beleuchtet, für jene Leserinnen und Leser, die sich mit der Geschichte dieser Bewegung und den Ereignissen in Jonestown vertraut machen möchten, eine hervorragende Einführung dar.

(Heidi König-Porstner, Mai 2020)

Abstract/Zielsetzung:

Untersucht werden soll anhand des Beispiels Peoples Temple das Phänomen der Massenmanipulation. Ich bin der Frage nachgegangen, wie Jim Jones zu einer religiösen Leitfigur wurde, unter welchen Voraussetzungen sich der Peoples Temple von einer kleinen, stark in der Bürgerrechtsbewegung verankerten Kirche zu einer völlig isolierten Gruppierung entwickeln konnte, und wie Jim Jones letztlich in Jonestown, Guyana, seine Anhänger so unter seine Kontrolle bekommen konnte, dass sie auf seinen Befehl hin in einem Massensuizid das ultimative Opfer für ihn brachten.[1]

James Warren Jones wächst in einer amerikanischen Kleinstadt auf. Schon früh ist er fasziniert von Machtpersonen; zugleich zeigt er ein starkes Interesse an Religion und entwickelt bereits in jungen Jahren ein Bewusstsein für soziale Belange wie etwa Rassengleichheit. Im Alter von 23 Jahren gründet er schließlich eine kirchliche Gruppierung, die von sozialem Engagement geprägt ist, deren innere Strukturen aber im Laufe der Zeit zusehends totalitärer werden. Im Laufe der nächsten 24 Jahre gelingt es Jones, seinen Einflussbereich und seine Anhängerschaft erheblich zu vergrößern. Ein großer Teil dieser Anhängerschaft (am Ende etwa 1000 Personen) wandert in den späten 70er Jahren nach Guyana aus, um dort in der von Jones gegründeten Dschungelstadt Jonestown eine utopische Gemeinschaft zu begründen, die frei von Ungleichheit und Diskriminierung ist. Am 18. November 1978 macht Jones selbst dem utopischen Experiment ein Ende, indem er die knapp mehr als 900 Bewohner von Jonestown in einen organisierten Suizid treibt und sich selbst umbringt.[2]

Ich beschäftige mich im folgenden Aufsatz mit der Frage, welcher Methoden der Massenüberzeugung sich Jim Jones bediente, dass es zu dieser Tragödie kommen konnte. Dabei stütze ich mich vorwiegend auf eine Arbeit von Stefan Junker[3], der den Begriff der „Sekte“ nicht nur auf religiöse, sondern auch politische und andere gesellschaftliche Gruppierungen anwendet und die Mechanismen der Massenmanipulation erläutert. Meine Darstellung von Jim Jones und der Entwicklung des Peoples Temple, die den ersten Teil dieser Arbeit bildet, beruht vorwiegend auf Deborah Layton[4] und Jeff Guinn[5].

Jim Jones – die frühen Jahre

James Warren Jones wurde am 13. Mai 1931 in Crete, Indiana, als Sohn von James Thurman Jones und Lynetta Jones geboren. Da seine Mutter mehrere Jobs zugleich hatte und sich sein kriegsversehrter Vater offenbar wenig um ihn kümmerte, wuchs er relativ einsam auf.[6]

In seiner Familie und seinem Umfeld in der Kleinstadt Lynn, wo die Familie 1934 hinzog, kam er mit Ideen in Kontakt, die sich später in seinen Lehren und seinem Glauben widerspiegeln würden. So etwa glaubte seine Mutter an Reinkarnation und daran, dass ihr Sohn in seiner gegenwärtigen Inkarnation zu Großem bestimmt war, was sie ihm auch oft mitteilte. Auch eine Neigung zu paranoiden Gedanken – das Gefühl, dass ständig jemand hinter ihm her sei – scheint Lynetta Jones ihrem Sohn mitgegeben zu haben.[7]

In seiner Kindheit besuchte Jim mit einer Nachbarin regelmäßig die Kirche der Nazarener und begann, sich umfassend mit ihr zu beschäftigen. Er erfuhr dort Zuneigung und eine Art von Orientierung. Er besuchte alle sechs Kirchen in Lynn, befreundete sich sogar mit einem Geistlichen und begann bald, das Gehörte zu übernehmen und selbst an andere Kinder weiterzugeben.[8] Jim war ein guter Schüler, hatte aber wenige Freunde, was sich auf seinen starken Hang zur Religion und seine Unwilligkeit, sich mit für Jugendliche typischen Dingen auseinanderzusetzen, zurückführen lässt. Seine Abneigung gegenüber als sündhaft geltenden Dingen wie Tanzen, Alkohol usw. verstärkte das nur noch.[9]

Jim wurde schon früh als Sonderling betrachtet. Die Einwohner Lynns hielten ihn für einen komischen kleinen Jungen. Schon im Volksschulalter erzählte er ständig Lügen, meinte, er hätte magische Kräfte und überzeugte die anderen Kinder, mit ihm seine Pläne in die Tat umzusetzen: zum Beispiel in leere Särge im lokalen Lagerhaus zu klettern und sich mehrere Stunden lang reglos vorzustellen, man sei tot. Der kleine Jim hielt Begräbnisse für Tiere ab und lebte seine Faszination für Hitler aus, indem er in der Rolle Hitlers seine „Truppen“ (üblicherweise seine Cousinen) umherkommandierte.[10]

Als sich seine Eltern Anfang der 1940er Jahre trennten, zog Jim mit seiner Mutter nach Richmond in Indiana, wo er eine Arbeit als Krankenpfleger aufnahm. Er bewies dort sein Geschick mit Menschen: Er konnte sich die Namen aller Patienten und deren Angehöriger merken und erwarb sich mit fröhlichen Gesprächen und Freundlichkeit deren Zuneigung. An diesem Arbeitsplatz lernte er seine spätere Frau, Marceline Baldwin, eine etwas ältere Krankenpflegeschülerin, kennen. Er beendete die Schule im Dezember 1948 und begann im darauffolgenden Januar an der Indiana University zu studieren. Im Zuge dessen zog das junge Paar nach Indianapolis, die Hauptstadt des Staates Indiana. Nach seinem ersten Semester heiratete er Marceline, am 12. Juni 1949. Obwohl die beiden unterschiedlichen Glaubens waren (Marceline war streng gläubig, Jones glaubte zu diesem Zeitpunkt bereits vielmehr an den Sozialismus als an Gott) und sich daraus viele Unstimmigkeiten ergaben, blieben die beiden zusammen und adoptierten im Laufe ihrer Ehe sechs Kinder weißer, schwarzer und asiatischer Herkunft.[11]

Im Sommer des Jahres 1952 wurde Jim Hilfspastor in einer methodistischen Kirche, wo er versuchte, die Gleichheit der Ethnien und die Bürgerrechte zu predigen. Als Hilfspastor hatte er aber wenig Freiheit dies zu tun. Noch dazu nahmen viele Gläubige in der hauptsächlich weißen Nachbarschaft Anstoß an seiner Botschaft und begannen, ihm Drohbotschaften zu schicken. Daraufhin sammelte er Erfahrungen bei sogenannten „Revivals“: religiösen Erweckungsereignissen, die in den USA der Nachkriegszeit überaus beliebt waren. Diverse Prediger taten dabei einer versammelten Menge ihre persönliche Interpretation des Wort Gottes kund – auf einer Parkbank, auf einer belebten Straße oder in eigens gemieteten Räumen. Die Stars unter diesen Predigern füllten riesige Festzelte. Häufig waren sogenannte „faith healings“ fixer Bestandteil dieser Veranstaltungen: die enormen Besucherscharen, die durch das Versprechen solcher Heilungen angezogen wurden, beeindruckten Jones.

1954 verließ er die methodistische Kirche. Obwohl er später erzählte, er sei ausgetreten, war er in Wahrheit gebeten worden zu gehen. Alleine gelangte er bald zu Berühmtheit: Mit gerissenen Tricks, wie Scheinheilungen, dem diskreten Erlangen von persönlichen Informationen über die Menschen in seinem Publikum, die er dann zu deren Erstaunen in seine Reden aufnahm, sicherte er sich in kürzester Zeit eine begeisterte Anhängerschaft.[12]

1954 gründete er die „Community Unity“, auch manchmal als „Wings of Deliverance“ Kirche bekannt. Für viele, vor allem für Afroamerikaner, waren die Lebensumstände zu jener Zeit so schlimm, dass die Kirche sich ihnen als Refugium bot. Jones hatte, trotz großer Ambitionen, am Anfang mit diversen Problemen zu kämpfen: unter anderem mit der Konkurrenz und mit der Schwierigkeit, seine Scheinheilungen durchzuführen, ohne die Skepsis der Leute zu erregen. Nichtdestotrotz gelangte er zu immer mehr Berühmtheit und seine Anhängerschaft wuchs beständig. Bei seinen Heilungen, die stets ein großes Spektakel waren, führte er die kleinsten positiven Effekte auf sich und seine ihm von Gott gegebene Kraft zurück (er predigte im Namen Gottes, um mehr Anhänger zu gewinnen, obwohl er selber nicht an ihn glaubte). Wenn die Heilungen einmal nicht funktionierten, beschuldigte er stets die Patienten, es läge an ihrem mangelnden Glauben. Meistens aber stellte Jones schon im Vorfeld sicher, dass seine „Heilungen“ funktionierten: mit Schauspielern – und mit Hühnerinnereien, die aus den Mündern der „Geheilten“ hervorgezaubert und als „Krebsgeschwüre“ präsentiert wurden.“

Im Jahre 1955 wurde die Community Unity zu „Peoples Temple“ umbenannt.[13]

1       Jim Jones und die Entwicklung des Peoples Temple

1.1     Indianapolis

Jones‘ Aktivitäten fanden bald viele Unterstützer. Anfängliche Probleme mit lokalen Politikern wurden von seiner Frau Marceline gelöst: Sie war es, die Jim Kontakte verschaffte, die zu diversen Veranstaltungen ging und dort Details über diverse Personen des öffentlichen Interesses und deren Vorlieben herausfand, die sich Wichtiges notierte und Jim für die darauffolgenden Begegnungen vorbereitete – die Lorbeeren für diese Arbeit erntete jedoch ihr Ehemann. Er war bald als einer der wenigen Prediger bekannt, der die Probleme seiner Zeit wirklich verstand und wusste, wie man vorging, um Abhilfe zu schaffen.[14]

Um Geld für den Temple zu bekommen, arbeiteten die Jones Tag und Nacht. Sie gründeten ein Altersheim bei sich zu Hause und übernahmen später das Management mehrerer Altersheime der Stadt. Mit dem erwirtschafteten Geld wurde etwa ein Café betrieben, in das jeder kommen und gratis essen konnte und, falls nötig, Kleidung bekam. [15] Auch konnte Jones sich tägliche 15 Minuten Übertragungszeit auf dem lokalen Radiosender leisten, über den Veranstaltungen des Peoples Temple angekündigt wurden. Eine der wichtigsten fand im Juni 1955 statt, als Jones mit einem der berühmtesten Prediger der damaligen Zeit kooperierte und daraufhin einen signifikanten Anteil von dessen Zuhörerschaft für sich gewann.

Der Peoples Temple gewann rapide an neuen Mitgliedern. Jugendprogramme für die Kinder der Mitglieder bewogen viele alleinstehende Mütter, dazu zu stoßen; politische Gäste in den Gottesdiensten, eine Atmosphäre der Empathie und des Mitgefühls, sowie kostenfreies Essen und Kleidung sorgten für noch höhere Zahlen. Vor allem Jones‘ Botschaft von der Gleichheit und Gleichbehandlung aller Menschen steigerte seine Popularität:

„His message was always very stark… brotherhood, all races together. You were accepted just as you were, you were not judged by the way you looked, or how much education you had, or how much money you had.”[16]

Jedoch war Jones damit nicht zufrieden, vor allem nicht, als er erfuhr, dass es jemanden gab, der genau dasselbe machte wie er – nur in einem größeren Maßstab.[17]

Besagte Person ließ sich von ihren Anhängern „Father Divine“ nennen und stellte sich als Manifestation Gottes auf Erden dar. Vermutlich war Father Divines echter Name George Baker, jedoch ist sein Leben vor seinem Kult immer noch relativ im Unklaren. Er begann auf der Straße zu predigen und hatte mit seinen Predigten bald so viele Anhänger, dass sich die Gemeinschaft in einem Gemeindebau in Harlem in New York ansiedelte und ihren Einfluss international ausweitete. 1942 zog Father Divine nach Philadelphia, die er als die Stadt Gottes kürte. Die Anhängerschaft lebte nach seiner Doktrin: Kapital gemeinschaftlich und nicht individuell anzusammeln und damit Immobilien zu erwerben und selbstständig zu renovieren, genauso wie den Fuhrpark der Kirche. Niemand wurde in irgendeinem Aspekt versichert; die einzige Versicherung, die man brauchte, war der Segen Gottes. Sein „International Modest Code“ inkludierte Keuschheit, Verbot von Rauchen und Alkohol, das Trennen der Geschlechter, keine vulgäre Sprache, keine Obszönitäten. Frauen durften keine Kleidung, die als unanständig gesehen wurde, anziehen und kein Makeup oder Parfum tragen.[18]

Um die Jahreswende von 1956 auf 1957 kam es zu einem Treffen auf dessen Farm. Jones wurde von der Lehre Father Divines und der Lebensweise seiner Gruppe zusehends in Bann gezogen. Es eröffnete sich ihm eine komplett neue Welt. Als er zurückkam, begann er sofort, Father Divines Art der Führung zu imitieren, was sich zunächst darin manifestierte, dass er seine Mitglieder dazu drängte, ihn „Father“ und Marceline „Mother“ zu nennen. Er lernte, ein noch größeres Publikum anzuziehen. Im Laufe seines restlichen Lebens sollte Jones fast alle Werte und Grundlinien der „Peace Missions“ (Anhängerschaft Father Divines) im Peoples Temple aufnehmen, und später sogar Jonestown auf Grundlage der Peace Missions- Farm, die er besucht hatte, entwerfen und aufbauen. [19]

Marceline und Jim Jones hatten 1952 ihr erstes Kind, Agnes, adoptiert. Wenig später beschlossen die beiden, eine – wie sie es nannten – „Regenbogenfamilie“ zu gründen. 1957 adoptierten sie zwei koreanische Waisen, Stephanie und Lew. Stephanie starb jedoch im Mai 1959. Drei Wochen später gebar Marceline ihr einziges leibliches Kind, Stephan. Die Jones adoptierten kurz darauf die kleine Schwester Stephanies und tauften sie auf Suzanne um. 1961 schrieben die Jones Geschichte, als sie als erste weiße Familie in Indiana ein schwarzes Kind, James Warren Jones Jr., adoptierten.[20]

In den späten 50er Jahren wollte Jim Jones, dass der Peoples Temple sich den Disciples of Christ anschloss. Seine Bewerbung wurde angenommen, unter der Bedingung, dass Jones ein Diplom erwarb, um als offizieller Pastor in der Glaubensgemeinschaft anerkannt zu werden. Dies tat er auf der Butler University. Etwa zeitgleich, im Jahr 1961, wurde Jones auf den Posten des Direktors der Human Relations Commission in Indianapolis berufen – ein Gremium, in dem bis dahin viel diskutiert, aber wenig erreicht worden war. Jones sollte das ändern.[21]

Die Bürgerrechtsbewegung war zu jener Zeit schon im vollen Gange, Rassismus jedoch nach wie vor an der Tagesordnung. Auch in Indiana war wenig bis kein Fortschritt in Sachen Gleichberechtigung sichtbar – bis Jim Jones sich einbrachte. Im Verlauf nur eines Jahres erreichte er signifikante Veränderungen: Am Anfang waren es kleine Dinge, wie etwa die Reparatur eines Schlaglochs in einer Siedlung, oder der Erwerb neuer Schulbücher, aber für die schwarze Bevölkerung war das mehr, als irgendjemand sonst je für sie getan hatte. Bald begann Jones seinen Feldzug in den diversen gastronomischen Einrichtungen von Indianapolis. Die meisten Restaurants verweigerten afroamerikanischen Kunden unter irgendeinem Vorwand den Zutritt, und wenn nicht, ging man dort sehr unhöflich mit ihnen um. Wenn die Jones mit schwarzen Freunden essen gingen, wurde ihnen manchmal mitgeteilt, dass Reservierungen notwendig gewesen wären, was, wenn nur Jim und Marceline essen gingen, sonst nie der Fall war. Jones wartete manchmal bis zur Sperrstunde vergeblich auf einen freien Tisch, oder er und seine Begleiter wurden, falls man sie doch bediente, schlecht behandelt. Am Tag darauf ging dann Jones aufs Neue in das betroffene Restaurant, um den Besitzer zu sprechen und darauf zu bestehen, dass auch schwarze Kunden bedient werden müssten. Bei Weigerung versuchte Jones mit logischen Argumenten zu erklären, dass es profitabler wäre, auch schwarze Gäste zu bewirten. Bei weiterer Weigerung teilte er mit, dass er das nächste Mal mehr Leute mitbringen würde, die dann vor dem Restaurant gegen die schlechte Behandlung der Schwarzen demonstrieren würden. Wer sich fügte, wurde belohnt – mit Flyern, Werbung und Gästen aus dem Peoples Temple. Es begann sich herumzusprechen, dass es von Vorteil war, mit dem Peoples Temple zusammenzuarbeiten. Am Ende des Jahres 1961 war Indianapolis eine weniger rassentrennende Stadt als zuvor, und dies war fast ausschließlich Jim Jones zu verdanken.[22]

Gegen Ende 1961 begann Jones erstmals zu predigen, ihm sei in einer Vision eröffnet worden, dass Amerika bald unter nuklearem Beschuss stehen und jeder in Indianapolis Lebende dabei sterben werde. Die Angst vor einem nuklearen Angriff der Sowjetunion war damals generell groß und verlieh seiner „Vision“ Nachdruck. Der Peoples Temple – so Jones – müsse also in ein Gebiet umziehen, das weit weg von den Zielen der Raketen läge. Dies würde auch seine Kontrolle über die Mitglieder stärken, da diese dann auch weit weg von Familienmitgliedern und Freunden wären, die nicht dem Temple angehörten. Nach sorgfältigen Erwägungen befand Jones Belo Horizonte in Brasilien als optimales Ziel. Er kündigte sein Amt als Direktor der Human Relations Comission, und zusammen mit seiner Familie flog er nach Brasilien, um dort die Zukunft des Peoples Temple aufzubauen. In seiner Abwesenheit begann sich der Peoples Temple jedoch langsam zu zersetzen. Gottesdienste wurden unter der Leitung eines Vertrauten von Jones nicht mehr wie sonst abgehalten, das ursprüngliche Ziel des Temple vernachlässigt, und außerdem fehlte der charismatische Prediger. Belo Horizonte erwies sich als Misserfolg, jedoch gab Jones nicht auf und zog 1963 nach Rio de Janeiro um. Auch dort hatte er keinen Erfolg. Im November desselben Jahres, kurz nach dem Attentat auf John F. Kennedy, kehrte er in die USA zurück. Der Peoples Temple war während seiner Abwesenheit fast verschwunden und Jones stellte fest, dass er auch in der Politik nicht mehr benötigt wurde. In diesen zwei Jahren hatte sich in Indianapolis vieles verbessert, und Afroamerikaner waren mit ihren Problemen nicht mehr nur auf Jones angewiesen. Seine Anhängerschaft hatte sich so drastisch reduziert, dass der Temple in ein kleineres Gebäude umziehen musste. Wegen seinen zunehmend radikaleren Ansichten durfte Jones auch nicht mehr im Radio senden.[23]

Jones hatte begonnen, in seinen Predigten die Bibel zu verteufeln. Er lehnte den christlichen Himmelsgott ab und proklamierte den wirklichen Jesus oder Gott als Erdengott, der sich einen Gastkörper aussuchen konnte, um seinen Segen unmittelbar auf die Lebenden auszuschütten. Anfangs stellte er sich zwar nicht selbst als Gott dar, jedoch sagte er, er hätte den Geist Christi in sich und sei auch in einer vorigen Inkarnation Buddha gewesen. Später würde er noch viele andere Personen als vorherige Inkarnationen seines Selbst ausgeben, zum Beispiel Lenin. Er glaubte sich selber auf dem höchsten zu erreichenden Niveau der Spiritualität und wollte als göttliches Wesen verehrt werden. Jim Jones war Gott und Christus auf Erden und alles, was er sagte und tat, war folglich richtig und musste getan werden. Die Gläubigen unter seinen Anhängern glaubten ihm – andere kümmerten sich nicht darum, was er sagte, da sie ihm in politischen Aspekten und seiner sozialistischen Grundhaltung zustimmten.[24]

Jones bemerkte, dass sich seine Zeit in Indianapolis ihrem Ende näherte. Am Beispiel Father Divines hatte er gesehen, dass ein Umzug in eine neue Stadt, ein neues Gebiet, ihm zu neuer politischer und sozialer Macht verhelfen würde, und ihm neue Mitglieder bescheren würde, obwohl er seine loyalsten Anhänger behielt. Er beschloss, an einen der anderen nuklear-sicheren Orte umzuziehen: Ukiah, Kalifornien. Perfekt wegen der Lage nahe Los Angeles und San Franciscos zum Rekrutieren neuer Mitglieder, aber sicher vor nuklearen Geschossen in diese Gebiete, war die Kleinstadt der ideale Ort. Vor Ort überzeugte er eine lokale Kirche, Christ’s Church of the Golden Rule in Redwood Valley, sich ihr anschließen zu dürfen. Obwohl er einige Schwierigkeiten dabei hatte, überredete er den Großteil des verbleibenden Temples umzuziehen. Im Frühsommer 1965 hielt Jones seine letzte Predigt und fuhr im Anschluss daran mit ungefähr 90 Mitgliedern gen Westen.[25]

1.2     Kalifornien

Dort angekommen, versuchten sich die Mitglieder auf verschiedene Weise so gut wie möglich zu integrieren. Sie fanden Arbeit und gaben allen nicht akut benötigten Profit dem Temple ab. Im selben Jahr wurde der Peoples Temple vom Staat auch offiziell zur Non-Profit Organisation erklärt. Angezogen durch begeisterte Nachrichten kamen 50 bis 60 Mitglieder, die in Indianapolis zurückgeblieben waren, nach. Die lokale Zeitung stellte zwar zunächst unbequeme Fragen über den Temple, doch persönliche Kontakte verbesserten das Verhältnis bald so sehr, dass der Peoples Temple sogar bald eigens redigierte Artikel darin veröffentlichen konnte. Ein großes Problem war der Rassismus in Ukiah. Die Einstellung der mehrheitlich weißen Bevölkerung gegenüber Schwarzen war rückschrittlich, und als der Peoples Temple begann, in weißen Nachbarschaften Häuser zu kaufen und schwarze Familien darin einzuquartieren, wurde er mit Beschwerden und Anfeindungen konfrontiert. Um die Familien zum Bleiben zu bewegen, führte Jones abermals seine Vision eines Nuklearkrieges ins Treffen, nur diesmal verkündete er, der Ausbruch sei weniger als zwei Jahre entfernt, und jeder in einer der großen Städte würde unter großen Qualen sterben.[26]

So wurde der Peoples Temple eine stetig wachsende Präsenz im Redwood Valley. Jones hatte einen Lehrposten an der dortigen Schule angenommen, und er arbeitete zusätzlich in der Erwachsenenbildung. Einige seiner Schüler traten dem Temple bei, der bald darauf ihr ganzes Leben bestimmen sollte. Ein Teil der Temple-Jugend unterlief sogar besonderem Survival-Training, um im Notfall den Temple beschützen zu können[27] und um sich auf die Welt nach dem Atomkrieg vorzubereiten.[28]

Einer der Hauptunterschiede zu den Messen in Indianapolis war, dass Jones fast komplett aufhörte, Heilungen durchzuführen, und nach einiger Zeit ließen auch seine prophetischen Visionen von einem nuklearen Konflikt nach. Die Neuzugänge in seinem Publikum waren teils sehr viel gebildeter als die Alteingesessenen und würden Jones nicht ohne Weiteres abkaufen, dass halb verrottete Hühnerinnereien, die er des Öfteren bei seinen Scheinheilungen verwendete, geheilter Krebs wären.[29]

1968 beendete eine Meinungsverschiedenheit die Kooperation zwischen dem Peoples Temple und der Church of the Golden Rule. Der Peoples Temple musste sich eine neue Immobilie zulegen, um dort Messen abzuhalten. Ein passendes Gebäude wurde bald von den Mitgliedern in der Nähe einer gut befahrenen Straße erbaut. Obwohl der Temple nun ein neues Gebäude besaß und Zuwächse hatte, waren immer noch nicht die versprochenen Scharen an Menschen in den Messen. Jones begann dies zu ändern.[30]

Bei einem Memorial Service für Martin Luther King Jr. in San Francisco erschien der Peoples Temple vollzählig, was Staunen und Anerkennung hervorrief. Jones wurde aufgerufen, ein paar Worte zu sagen und überraschte alle Versammelten mit der Ankündigung eines Gottesdienstes für die gesamte versammelte Kongregation. Kurze Zeit später, nach hektischer Planung und Vorbereitung, fand in Redwood Valley ein Wochenende an Gottesdiensten statt, an dem mehrere Reisebusse an Menschen teilnahmen. Jones überzeugte im großen Stil. Heilungen, lange Predigten in Gottes Namen und eine freundliche, warme Atmosphäre bewegten viele dazu, sich sofort anzuschließen. Zögernde wurden bald überzeugt: Peoples Temple Mitglieder lösten deren Alltagsprobleme, immer ohne Bezahlung und mit Freude, schickten freundschaftliche Briefe und manchmal sogar selbst gemachte Backwaren. Sie halfen Afroamerikanern bei rechtlichen Angelegenheiten, wo diese allein chancenlos gewesen wären. Durch die Unterstützung des Peoples Temple und Jim Jones erlebten sie nun jedoch beachtliche Verbesserungen. Die Rekrutierung aus den großen Städten hatte erfolgreich begonnen.[31]

Mehr Mitglieder bedeuteten auch mehr Familien, die nach Ukiah zogen und damit mehr Senioren, die tägliche Pflege brauchten. Diese wurden in den Alters- und Pflegeheimen des Temple untergebracht, was dessen Profite enorm ankurbelte. Alle Gewinne dieser Institutionen gingen direkt an den Peoples Temple, der dadurch seine diversen „Outreach Programs“ weiter finanzieren und weiterentwickeln konnte, was umso mehr Mitglieder anzog.[32] Die generelle Finanzierung des Peoples Temple erfolgte hauptsächlich durch die Mitglieder, die angeregt wurden, alles entbehrliche Geld abzugeben. Zehn Prozent des persönlichen Einkommens waren Pflicht; nach einiger Zeit wurden 25 Prozent zur Norm. Mitglieder unterzeichneten ein Dokument, das besagte, dass all ihr Eigentum fortan ohne Widerspruch dem Peoples Temple gehören würde. Finanziert wurden dadurch diverse Peoples Temple Einrichtungen, die der Gemeinschaft und ihren Zielen zugute kamen: eine Farm für problematische Teenager, eine Druckerei, eine Wäscherei, Pflegeheime, Drogenrehabilitation und Ausgabe von gratis Nahrung und Kleidung.[33] Vom Peoples Temple angestellte Mitglieder bekamen kein Gehalt, jedoch kam der Peoples Temple jedem Bedarf nach und versorgte die Mitglieder in allen Aspekten. Gegen Ende des Jahres 1969 zählte der Peoples Temple ca. 500 Mitglieder, rund das Dreifache des Vorjahres.[34]

Bald wollte Jones eine dauerhafte Temple Präsenz in San Francisco etablieren, jedoch mangelte es ihm dazu an juristischem Know-how. Jones lernte Tim Stoen, einen ambitionierten Anwalt, kennen und überzeugte diesen im März 1970 beizutreten. Da mittlerweile genug Geld vorhanden war, um größere Projekte in Angriff zu nehmen, begann er, zusätzlich zu dem (renovierungsbedürftigen) Gebäude des permanenten Sitzes, regelmäßig eine Schule in San Francisco zu mieten, um dort diverse Programme durchzuführen. Mittlerweile hatte Jones auch die komplette Kontrolle über das Budget des Temples übernommen. So konnte er das Geld verwalten, wie es ihm gefiel, und Ausgaben des Peoples Temple konnten nie ohne seine Einwilligung getätigt werden.[35]

Seit 1965 nahm Jones regelmäßig Schmerzmittel zu sich, um nicht näher spezifizierte Leiden zu bekämpfen. Sechs Jahre später, 1971, begann er, Amphetamine und Beruhigungsmittel kontinuierlich zu missbrauchen. Um sich für langwierige Gottesdienste aufzuputschen, nahm er die Amphetamine, und danach die Beruhigungsmittel, um schlafen zu können. Die Medikamente verschlimmerten seine Paranoia massiv. Er ließ vor jedem wichtigen Treffen Räume nach Wanzen absuchen. Mitglieder wurden als Wachen außerhalb des Peoples Temple Gebäudes aufgestellt.[36] Im Jahr 1977 begann er, nachdem in ein Büro von Scientologen in San Francisco eingebrochen worden war, sogar in einer Geheimsprache zu kommunizieren.[37] Jedes Mitglied bekam eine Mitgliedskarte, was das Risiko minimierte, dass Außenseiter Gottesdiensten beiwohnten und überdies ein Gefühl der Besonderheit förderte. Auch die Regeln wurden verschärft. Jede Aktivität oder Interaktion, die nichts mit dem Temple zu tun hatte, wurde missbilligt und z.B. der Besuch von Kinos, Cafés oder Restaurants war verboten, da das Geld dafür besser für den Temple verwendet werden sollte. Jede freie Minute musste dem Temple gewidmet sein. Alkohol, Nikotin und Drogen waren strengstens verboten und romantische Beziehungen waren nicht gerne gesehen. Genau diese strengen Regeln entfachten jedoch eine Art Wettkampf unter den Mitgliedern. Es wurde damit geprahlt, nur drei oder sogar nur zwei Stunden geschlafen zu haben, nur um das neueste Projekt zu unterstützen. In einem beiläufigen Satz zu einer engen Vertrauten meinte Jones einmal:[38] „Keep them poor and keep them tired, and they’ll never leave“[39].

Der Peoples Temple florierte. Er verteilte überschüssige Kleidung und Essen in armen Gegenden und kümmerte sich um Klienten in den Pflegeheimen, auch wenn sie nicht bezahlen konnten. Immer mehr Wege wurden gefunden, um den Unterdrückten oder sozial Schwachen zu helfen. Eines der beeindruckendsten Programme ermöglichte es sozial schwach gestellten Teenagern aufs College zu gehen. Der Temple erstattete nicht nur Schulbücher und Kosten, sondern bot auch gratis Unterkünfte und Mahlzeiten an.[40]

Im Jahr 1973 wurde das Anwerbeprogramm noch intensiver. Im Sommer und den Ferien wurden junge Studenten und Schüler im ganzen Land in die Ghettos der großen Städte geschickt, um Mitglieder für den Temple zu rekrutieren. Jedes zweite Wochenende fuhr die Kernfamilie des Temples – ungefähr 400 Mitglieder – mit elf Reisebussen zehn Stunden lang nach Los Angeles und warb dort mit Broschüren an Straßenecken und dann im Gottesdienst in der 1972 dort permanent etablierten Kirche. Jones kündigte in seinen Reden ab etwa Mitte 1973 das „Gelobte Land“ an, einen Ort, an dem jeder gleich sein würde und jeder so leben könne, wie er wolle. Die Planung einer isolierten Siedlung exklusiv für Mitglieder des Peoples Temple hatte intern begonnen.[41]

Als Folge hatte der Peoples Temple 1973 bereits 2570 Mitglieder und gab als geschätztes jährliches Einkommen 300.000 Dollar an (auf heute umgerechnet circa 1,7 Millionen amerikanische Dollar). Mittlerweile hatte der Temple eine eigene Zeitung, „The Peoples Forum“. Er hatte permanente Kirchen in San Francisco und Los Angeles. Da er offiziell zu den Disciples of Christ gehörte und eine Nonprofit- Organisation war, musste er keinerlei Steuern bezahlen.[42]Konsequenterweise durfte der Temple sich politisch nicht betätigen. Jones umging dieses Problem gerissen mit der Gründung des sogenannten „Diversions (D)-Komitee“. Aufgabe dieses Komitees war es, durch Briefe Gesetzesvorhaben zu unterstützen, die Jones für gut befand (und ihn darin zu erwähnen). Diese Briefe wurden auf nicht registrierten Schreibmaschinen mit Handschuhen verfasst, anschließend aus dem Bundesstaat gebracht und von verschiedenen Ortschaften aus an Politiker verschickt. Oft wurden Briefe versendet, die – sich der Technik der paradoxen Intervention bedienend – Jim Jones verwünschten und ihn als das Übel der Welt darstellten. In diesen Briefen wurde er als „Negerfreund“ dargestellt, es wirkte als seien sie von Rassisten geschrieben worden, die Jones Bemühungen, Armen und Schwarzen zu helfen, unverhohlen abstießen. Durch derlei Methoden gelangte Jones zu Bekanntheit bei Politikern, die so von seinen humanitären Aktionen erfuhren, und fing mehrere zweitrangige Politiker in seinem Netz, die ihn dann wohlwollend verteidigten oder auch unterstützten. Wenn sie Jim erst kennenlernten, vertrauten diese ihm manchmal ihre Pläne, Schwächen, Hoffnungen, selten sogar ihre Perversionen an. Diese Informationen nutzte er dann gegen sie, um höherrangige Positionen zu erlangen, oder Unterstützung und öffentliches Lob. Wenn seine Bestechungen gelangen, zeigte er sich auf kontroverse Weise erkenntlich, indem er ein vom Politiker erkorenes Mitglied zu diesem nach Hause schickte.[43] Durch eine Reihe von diffamierenden Artikeln über Jones (die letztendlich allerdings eher positives als negatives für ihn bewirkten) bekam er nur noch mehr Aufmerksamkeit als davor schon. Der Bürgermeister von San Francisco, Joseph Alioto, blieb trotz der Anschuldigungen in den Artikeln ein Sympathisant des Temples und händigte Jones sogar ein Schreiben aus, in welchem er ihn und seine Anhängerschaft in den höchsten Tönen pries und das ihm in anderen Städten helfen sollte, die Unterstützung der dortigen Politiker zu bekommen.

Der Peoples Temple hatte mittlerweile begonnen, das ganze Land abzufahren und in den großen Städten seine Botschaft zu verkünden. Im Jahr 1975 gewann Jones noch mehr Beliebtheit bei einflussreichen Politikern, als er George Moscone dazu verhalf, die Bürgermeisterwahl zu gewinnen. Er war nun als Mann großen Einflusses und als Vertrauter des Bürgermeisters bekannt und hatte Kontakte zu Gouverneuren, Sheriffs und Landtagsabgeordneten. Sogar Jimmy Carters Frau, Rosalynn Carter, der angehende Vizepräsident Walter Mondale und politische Celebrities wie Angela Davis (Kommunistische Partei, Black Panthers), Dennis Banks (American Indian Movement) und Laura Allende (Schwester von Salvador Allende) besuchten den Temple und hielten Gastpredigten. Im Jahr 1976 wurde Jones ein Platz in der Human Rights Commission angeboten, den er ablehnte, jedoch akzeptierte er einige Wochen später einen Posten in der City Housing Authority, wo er innerhalb weniger Monate Vorsitzender wurde.[44]

Im inneren Kreis des Temple begann Jones indessen, graduell die Idee eines „revolutionären Selbstmords“ oder Massensuizids vorzustellen. Mehrere Male erwähnte er spezifisch den Massensuizid der ungefähr 1000 Juden von Masada, die sich (der Legende nach) in ihrer Burg in Israel lieber selbst töteten, als den Römern in Hände zu fallen, welche die Burg belagerten und einnahmen. Sie stellten für Jones den Inbegriff von Mut und Opfer dar, um Unterwerfung zu vermeiden. Analog zum Konzept des „revolutionären Selbstmords“, wie Black Panther-Führer Huey Newton es geprägt hatte, wurde ein solcher Suizid als heroische Tat im Kampf um Gerechtigkeit dargestellt, die die Welt inspirieren und für immer in die Geschichte eingehen würde. Das generelle Mantra, das stets in anderen Worten verpackt wiederholt wurde, war, dass ein guter Sozialist den Tod nicht fürchtet, sondern ihn für die gute Sache gerne in Kauf nimmt. Loyale Mitglieder sollten also nicht nur bereit sein, ihr Leben, sondern – wenn nötig – auch ihren Tod dem Temple zu widmen, um auch andere darin zu bestärken, bis zum Tod gegen Unterdrückung zu kämpfen. Jones‘ Paranoia hatte nicht nur ihn, sondern auch immer mehr Temple-Mitglieder dazu gebracht, den überwiegenden Teil der amerikanischen Gesellschaft als feindlich zu betrachten, als Gegner der „guten Sache“. – Im September 1975 stellte Jones die Bereitschaft seiner Anhänger, ihm überall hin zu folgen, auf morbide Weise auf die Probe: An einem Abend lud er alle Mitglieder des Planungskomitees auf ein Glas Wein ein. Jeder trank sein Glas aus, und als alle Gläser leer waren, teilte Jones mit, dass der Wein mit Gift versetzt worden sei. Es gebe kein Gegenmittel und alle würden innerhalb von 45 Minuten bis einer Stunde sterben. Nachdem die Zeit abgelaufen war, verkündete Jones, dies sei ein Loyalitätstest gewesen, den die Mitglieder bestanden hätten: sie wüssten nun, dass sie auch bereit wären, in den Tod zu gehen. „Revolutionäre“ Szenarien und vor allem Akte, die Eindruck hinterlassen würden, begannen für Jones eine Rolle zu spielen: eine Kontaktaufnahme zu Muammar al Gaddafi wurde angedacht; intern wurde über das Vergiften des Wasservorrates einer nicht spezifizierten Großstadt sinniert oder über einen Massensuizid via Flugabsturz (nur mit Temple Mitgliedern an Bord: kein anderer sollte zu Schaden kommen). Ziel dieser Überlegungen war es, im Fall des Falles gegen die Regierung „zurückschlagen“ zu können, Feinde einzuschüchtern oder eben eine Tat zu begehen, welche in die Geschichtsbücher eingehen würde.[45]

In dem mittlerweile etablierten Gelobten Land, Jonestown, schien es gut voranzugehen. Die Fortschritte waren zwar klein, aber beständig. Im Jahr 1977, als Jones die Siedlung als für die ersten hundert Einwohner bereit erachtete, waren schon ungefähr 50 Temple Mitglieder vor Ort. Davon, selbsterhaltend zu sein (wie ursprünglich geplant), war Jonestown jedoch noch weit entfernt. Im Mai desselben Jahres wurden jedoch nicht die vorgesehenen hundert, sondern gleich 500 bis 600 Temple-Mitglieder (was der ursprünglich geplanten Gesamtpopulation entsprach) innerhalb weniger Wochen nach Guyana verfrachtet. Grund für die plötzliche Eile waren ein Zeitungsartikel, der Jones schwer belastete, sowie eine Sorgerechtsklage: Grace Stoen war vor Gericht gegangen, um ihren fünfjährigen Sohn, John Victor Stoen (der höchst wahrscheinlich Jones leiblicher Sohn war), aus Jonestown zurück und in ihre Obhut zu bringen. Im August, wenige Wochen vor der Veröffentlichung eines ihn belastenden Artikels in der „New West“-Zeitung, ging auch Jim Jones selbst nach Jonestown. Obwohl er seinen zurückgebliebenen Anhängern und seiner Frau, die in seiner Abwesenheit den Temple übernahm, mitteilte, dass es nur für kurze Zeit wäre, kam er nie mehr in die Vereinigten Staaten zurück.[46]

1.3     Guyana – Jonestown

Am 10. September 1973 war die Suche nach einem Ort für das versprochene Gelobte Land vom Leitungsgremium des Temple autorisiert worden. Schon am 8. Oktober stand er fest: Guyana in Südamerika. Wegen der sozialistischen Regierung und der Nationalsprache Englisch war Guyana optimal, wegen der Isolation perfekt. Anfang Dezember besuchte Jones mit Tim Stoen und fünf anderen das Land und trat in Kontakt mit der Regierung. Das guyanische Parlament stimmte dem Vorhaben schnell zu, und nur wenige Tage später wurde den Amerikanern das vorgesehene Grundstück gezeigt. Komplett isoliert im guyanischen Dschungel war der Grund nur umständlich erreichbar. Man musste entweder mit einem Flugzeug zum nahe gelegenen Flugfeld fliegen, oder man reiste per Schiff 24 Stunden lang den Fluss entlang in den gleichen Ort, Port Kaituma. Von dort musste man dann noch ungefähr eine Dreiviertelstunde bis Stunde mit dem Auto fahren. Als Jones der Ort gezeigt wurde, entsprach er genau seinen Vorstellungen. Auf die Frage hin wie die Siedlung genannt werden würde, gab es kein großes Zögern: Jonestown.[47]

Schon drei Monate später, im März 1974, entsandte Jones sechs Mitglieder, die mit Landwirtschaft Erfahrung hatten, nach Guyana, um die noch sehr verwilderte kleine Fläche auszuweiten und vorzubereiten. Der Dschungel stellte sich jedoch als fast nicht zu überwindende Barriere heraus, was die Pläne beachtlich verzögerte. Im Herbst entsandte Jones zusätzliche Arbeitskräfte, die neben den ursprünglichen und angeheuerten Hilfskräften den Aufbau ankurbeln sollten. In der Zwischenzeit wurde ein lokaler Temple- Sitz in Georgetown, der Hauptstadt Guyanas, eingerichtet.[48]

Jonestown wurde schrittweise aufgebaut und immer dem aktuellen Bedarf der Siedler angepasst. Doch als im Mai 1977 in kurzer Zeit hunderte an Neuzugängen auftauchten, wurden Unterkünfte ein Problem. Jones war besessen davon, der Welt zu zeigen, dass er noch immer an der Macht war, und wollte somit jeden verfügbaren Anhänger um sich und bereit haben. Er wollte eine Masse an Menschen leiten. Dass so viele Menschen in so kurzer Zeit zu einem massiven Mangel an Unterkünften und Essen führte, kümmerte ihn nicht. Andere Arbeiten mussten vernachlässigt werden, um den Neuankömmlingen schnell Behausungen zu bieten. Die Häuser, die ursprünglich für je ungefähr sechs Bewohner ausgelegt waren, wurden schnell auf das Doppelte und teils Dreifache überfüllt. Nichtdestotrotz war der Großteil der Bewohner zunächst zufrieden: es gab gutes Essen, jeden Abend setzten sich alle zusammen und es wurde gelacht, gesungen und getanzt. Als jedoch Jones wenig später ankam, änderte sich alles drastisch.[49]

Überzeugt, Kontrolle ausüben zu müssen, führte Jones harte neue Regeln ein. Jeder Einkauf, egal wie groß oder klein, musste von ihm autorisiert, romantische Beziehungen und Trennungen von ihm bestätigt werden. Jeder Brief wurde geöffnet und zensiert oder vernichtet. Verschickte Briefe mussten Jonestown als das Paradies auf Erden preisen und durften keine kritische Information enthalten. Es wurde so gut wie möglich gespart. Toilettenpapier war eine Seltenheit, man hatte pro Tag zwei Minuten verfügbar, um sich zu duschen, und vor allem bei den Mahlzeiten gab es keine große Vielfalt an Speisen beziehungsweise Zutaten. Eigentum von Mitgliedern wurde bei Ankunft konfisziert und bis auf das aller Nötigste verkauft, oder verwendet, um Bedarf von anderen zu decken. In den besten Monaten gab es nur ein finanzielles Defizit von 150 000 US-Dollar. Die Konten mit Temple-Geldern, zu denen nur Jones und engste Vertraute Zugang hatten, wurden für die Mitglieder nie angerührt. Auch neue Strafen bei Vergehen wurden eingesetzt: Jetzt wurden Mitglieder nicht mehr nur geschlagen oder gedemütigt, sondern mussten zur „Learning Crew“: Regelbrecher mussten separat essen und schlafen, sich überallhin im Laufschritt bewegen und niemand durfte mit ihnen sprechen oder sie auch nur ansehen. Der Einzige, der bestimmen konnte, wann die Bestrafung abgebrochen wurde, war Jones. Im Jahr 1978 wurden suspekte Mitglieder sogar eingesperrt und unter Drogen gesetzt. Auch nächtliche Treffen wurden eingeführt. Es musste sich jeden Abend jedes Mitglied im Hauptpavillon einfinden, um Jones bei seinen Reden zuzuhören. Dieser teilte dann seine verzerrte und erfundene Version von aktuellen Ereignissen in der Welt bis spät in die Nacht hinein mit, die die Mitglieder natürlich nicht überprüfen konnten. Selten gab es eine andere Form der Unterhaltung. Auch untertags liefen über die auf das ganze Gelände verteilten Lautsprecher Tonbänder von Jones‘ Reden. Normalerweise arbeiteten die Feldarbeiter, bis auf Sonntag, da nur halbtags, von sechs Uhr in der Früh bis sechs Uhr am Abend. Mittlerweile war es fast unmöglich geworden, Jonestown zu entkommen. Pässe wurden den Bewohnern bei der Ankunft abgenommen, ihre Rückreise hätten sie selbst finanzieren müssen und durch den Dschungel zu entkommen war keine wirkliche Option. Nur sehr wenige schafften es je. Wenn es jemand bis nach Port Kaituma schaffte, war dort meistens Endstation. Boote fuhren nur unregelmäßig und Flugzeuge kamen nur sehr selten. Deserteure waren auch mit dem Problem konfrontiert, oft ihre gesamte Familie in Jonestown zu haben. Jeder war dazu aufgefordert, jeden auszuspionieren und mögliche Vergehen zu melden und nur wenige wollten fliehen, da sie dann ihre Familie zurücklassen hätten müssen oder als Verräter angesehen worden wären.[50]

Jones war schon drei Wochen in Guyana, als der bereits erwähnte vernichtende Artikel in der August-Ausgabe der Zeitung „New West“ veröffentlicht wurde. In ihm berichteten die Reporter Marshall Kilduff und Phil Tracy von Jones politischen Manövern, der Ausbeutung und dem Ausnützen der Mitglieder durch ihn, von körperlicher Bestrafung und der Belästigung, der ausgetretene Mitglieder ausgesetzt waren. Wegen dieser Veröffentlichung wurde in Kalifornien eine Gruppe ins Leben gerufen: „Concerned Relatives“. Teil dieser Gruppe waren Ex-Mitglieder und, wie der Name schon sagt, besorgte Verwandte von Jonestown-Bewohnern. Separat von ihnen stellte Grace Stoen am 18. August 1977 vor Gericht einen Sorgerechtsantrag für ihren Sohn, der von Jones nach Jonestown gebracht worden war. Jones wurde vom Richter am 9. September vorgeladen. Da er nicht erschien, wurde Grace Stoen das Sorgerecht übertragen und Jones dazu aufgefordert, John Stoen seiner Mutter vor Gericht zu übergeben. In der ersten Septemberwoche war Grace Stoens Anwalt nach Georgetown geflogen, um den Prozess dorthin zu verlagern. Jones wurde abermals aufgefordert, mit dem Jungen vor Gericht zu erscheinen. Jones konnte den Beschluss nicht mehr so einfach wie vorher ignorieren. Von seiner Panik und Paranoia getrieben, inszenierte er erstmals, was später als „Weiße Nacht“ bezeichnet werden sollte: eine oft bis in die Morgenstunden dauernde Versammlung sämtlicher Bewohner von Jonestown, die aufgrund einer vermeintlich existenzbedrohenden Krise einberufen wurde. Am 7. September ging er einen Schritt weiter: Er verkündete seinen Anhängern, dass „Feinde“ – entweder das Militär und/oder von Tim Stoen gedungene Söldner – unterwegs seien, um nicht nur John Stoen, sondern alle Kinder aus Jonestown fort zu holen. Im Dschungel rings um Jonestown fielen Schüsse, und um die vermuteten Angreifer abzuwehren, bewaffneten die Bewohner sich mit Macheten und allem, was als Waffe dienen konnte, um Jonestown zu verteidigen. Diese „Belagerung“ dauerte volle sechs Tage, und sie wurde weit über Jonestown hinaus für real gehalten: Bürgerrechtler, darunter Angela Davis, schickten via Funk Botschaften, in dem sie sich mit dem Kampf der Leute von Jonestown solidarisierten. – Dass die „Belagerung“ nicht real, sondern von Jones inszeniert war, sollten die meisten von ihnen nie erfahren.

Da Jones nicht zu seinem Gerichtstermin erschienen war, wurde am 10. September ein Haftbefehl gegen ihn ausgestellt.[51]

Regelmäßig besuchten guyanische Inspektoren Jonestown, um die Fortschritte zu überprüfen. Jones begrüßte diese Besuche immer, da er in ihnen die perfekte Möglichkeit sah, die Siedlung in ihrem besten Licht dastehen zu lassen. Wen er jedoch ungern sah, waren Inspektoren der amerikanischen Botschaft. Jedes Mal wurden sie von der Gesamtheit der Siedler wie Feinde behandelt, vor allem als sie im Spätherbst 1977 immer häufiger kamen. Die Beschwerden der „Concerned Relatives“ hatten Wirkung gezeigt. Dennoch kehrten alle dieser Inspektoren mit einem positiven Eindruck zurück und teilten diesen auch der amerikanischen Regierung mit. Nach einiger Zeit wurden die Beschwerden nur mehr aus Routine weitergeleitet. Kongressabgeordneter Leo Ryan war der einzige, der die Initiative ergreifen wollte, um der Sache auf den Grund zu gehen und um John Stoen seiner Mutter zurückzubringen.[52]

Im Oktober 1977 war Marceline Jones nach Jonestown gekommen. Ihr Einfluss konnte Jones jedoch nicht abhalten, erneute „Weiße Nächte“ durchzuführen. Am 16.Februar 1978 wurde ein erneuter Suizid- Probelauf, wie schon in Redwood Valley einige Jahre vorher, durchgeführt. Wer protestierte, wurde gezwungen, das angeblich mit Gift versetzte Getränk, das an alle ausgegeben wurde, zuerst zu trinken – was weitere Proteste rasch verstummen ließ. Einige, denen der Tod offenbar lieber gewesen wäre als ein Weiterleben in Jonestown, sagten später, dass sie sogar enttäuscht waren, kein echtes Gift bekommen zu haben. Edith Roller, ein Mitglied, schreibt in einem Tagebucheintrag:

„In a way, a great many of the seniors said that they were grateful to die. They had suffered so much. I think many people regretted that they weren’t going to die. In a way, I too, regretted that I was not going to be off learning crew. Back to the sound and fury of life.“[53]

Jones hatte seine Bestätigung: seine Anhänger würden widerspruchslos für ihn sterben.[54]

Am 14. März 1978 sendete ein Mitglied mit Jones Bestätigung einen Brief an die amerikanische Regierung, dass sie genug von den amerikanischen Inspektoren hätten. Sie hätten ein fundamentales Recht, ihren Glauben auszuüben, und wenn die Regierung nicht aufhören würde, Abgesandte zu schicken, wäre es besser zu sterben, als sich dieser konstanten Belästigung auszusetzen. Eine offizielle Drohung war ausgesprochen worden. Die Regierung wusste nun aus diesem Brief und später durch die Jonestown-Deserteurin Deborah Layton von Jones Plänen, nahm diese jedoch nicht ernst und zweifelte daran, dass sie umgesetzt würden. In Jonestown wurde der Ausgang gesperrt.[55]

Am 1. November teilte Leo Ryan Jones sein Vorhaben, Jonestown zu besuchen, mit. Jones wurde panisch. Ihm war um circa dieselbe Zeit mitgeteilt worden, dass jegliche Chance darauf, Jonestown so weiterzuführen wie bislang, aussichtslos war und es keine Möglichkeit gab, in der nahen Zukunft völlig autark zu werden. Obwohl Ryan erwartete abgewiesen zu werden, flog er am 14. November mit zwei Mitarbeitern, neun Medienreportern und einigen Mitgliedern der „Concerned Relatives“ nach Guyana.[56]

Am Freitag, dem 17.November[57] flog Ryan mit seiner Entourage nach Port Kaituma. Alle, bis auf einen Reporter, durften wider Erwarten das auf Hochglanz polierte Jonestown betreten. Auf den ersten Blick schien dort nichts den Vorwürfen zu entsprechen. Erst am Abend, während der Feierlichkeiten zu Ehren des Besuches, konnten einige davon bestätigt werden, als ein Temple-Mitglied, Vernon Gosney, einem Reporter einen Zettel zusteckte, auf dem er ihn bat, ihn und eine Freundin aus Jonestown weg zu bringen. Ryan versprach, dies am nächsten Tag zu tun. Nur Ryan und ein anderer Diplomat durften in dieser Nacht in Jonestown übernachten. Sobald am nächsten Tag die Reporter ankamen, wurden die Besucher auf einer Besichtigungstour durch Jonestown geführt. Als Jones am Nachmittag seinen ersten Auftritt des Tages machte, wurde ihm mitgeteilt, dass noch mehr Siedler Jonestown verlassen wollten. Mittlerweile waren es 15. Da das Flugzeug, mit dem Ryan angekommen war, nur 19 Plätze hatte, wurde ein zweites angefragt. Obwohl die 15 Personen weniger als zwei Prozent der Bewohner Jonestowns ausmachten, sah Jones in ihrem Wunsch zu gehen einen tiefen persönlichen Verrat. Als alle bereit waren, nach Port Kaituma aufzubrechen, kam es zu einer Messerattacke auf Ryan, die jedoch von anderen Temple-Mitgliedern, die dem Täter das Messer entwenden konnten, vereitelt wurde. Ryan fuhr mit dem Rest zum Flugplatz, von einem Auto mit acht bewaffneten Männern an Bord verfolgt. In Georgetown wurde die Peoples Temple Zentrale angerufen.[58] Jones Botschaft lautete: „You’re going to meet Mr. Frazier“[59], Code für „jeder wird sterben“.[60]

In Port Kaituma stand man vor einem Problem: die beiden Flugzeuge hatten gemeinsam nur 24 Sitze für 33 Leute. Während diskutiert wurde, wer zurückbleiben würde, eröffneten Larry Layton, der sich als Deserteur ausgegeben hatte, und die acht gesandten Mitglieder das Feuer auf Ryan, die Reporter und die Fliehenden. Ryan, drei Reporter und ein Ex-Mitglied starben an Schusswunden.[61] Acht andere wurden schwer verletzt.[62]

In Jonestown wurden alle in den Pavillon gerufen. Jones verkündete, dass wegen einem Anschlag auf Ryan am Flugplatz die Feinde des Peoples Temple bald mit Schusswaffen und Fallschirmspringern kommen würden. Die einzige Lösung, um die Kinder vor Versklavung und die Senioren vor Abschlachtung zu beschützen, wäre also, eine revolutionäre Tat zu begehen.[63]

Das Krankenpersonal betrat die Bühne mit Armen voller Spritzen. Die Kleinkinder, Kinder und Jugendlichen kamen zuerst dran. Eltern, die mit ihren Kindern sterben wollten, wurden aufgerufen, sich mit ihnen anzustellen. Die Krankenschwestern begannen, das Gift, eine Mischung aus Flavor Aid, Beruhigungsmitteln und Zyankali, durch die Spritzen in die Münder der Kinder zu spritzen. Gegen sechs Uhr am Abend waren mehr als 200 Kinder tot, und die Erwachsenen waren an der Reihe, das Gift aus einem Getränkespender zu sich zu nehmen. Es gab vereinzelten Widerstand, der jedoch im Keim erstickt wurde. Jeder, der sich weigerte, wurde von bewaffneten Wachen weitergedrängt. Man hatte nur noch die Wahl, ob man das Gift selber zu sich nahm oder ob es einem unfreiwillig injiziert wurde. Die meisten hatten ihr Schicksal schon akzeptiert. Die letzten aufgenommen Worte von Reverend James Warren Jones waren:[64]

„Wir werden anderen ein Beispiel geben… wir geben… eintausend Leute, die gesagt haben, so wie die Welt ist, wollen wir sie nicht. Nehmt unser Leben von uns. Wir haben es hingegeben. Wir waren es leid. Wir haben nicht Selbstmord begangen, wir haben einen Akt des revolutionären Selbstmords vollbracht, um gegen die inhumanen Bedingungen in der Welt zu protestieren.“[65]

Gegen neun Uhr abends am 18. November 1978 war es still in Jonestown.[66]

1.4     Folgen

Die amerikanische Regierung bekam gegen Samstag 21 Uhr die erste Nachricht, dass etwas passiert war, es war jedoch zunächst lediglich von einem Angriff auf Ryan die Rede. Am nächsten Tag wurde sein Tod bestätigt. Daraufhin stellte sich die Frage: Was war in Jonestown passiert? Wie viele Tote gab es? Sonntag früh kam die Guyana Defence Force in Jonestown an und entdeckte die Toten. Schon nach so kurzer Zeit hatte die Verwesung eingesetzt, sodass niemand sagen konnte, wie viele Leichen vor Ort waren. Schätzungen beliefen sich auf 200 bis 300 Tote. Über die nächsten Tage veränderte sich die Zahl konstant. Am Anfang glaubte man an 383 Opfer, dann 408. Dann wurde entdeckt, dass es mehrere Schichten von Leichen gab. Die Zahl wuchs auf 700, dann 780, und schließlich auf 909 an. Die endgültige Anzahl von 918 Todesopfern setzt sich aus den 909 Toten in Jonestown, den fünf Getöteten in Port Kaituma und vier Temple-Mitgliedern zusammen, die in Georgetown auf Jones‘ Anweisung hin den Tod gefunden hatten[67].[68]

Während der nächsten vier Monate versuchten die Behörden, alle Toten zu identifizieren. 409 davon konnten nie genau zugeordnet werden, darunter zwei Drittel der Kinder. Nach einer langen Suche nach einem Friedhof, der bereit war, die Toten angemessen zu bestatten, wurden die Leichen der Temple-Mitglieder zusammen mit denen von Marceline Jones und deren Kindern Lew und Agnes am 11. Mai 1979 in Oakland in einem Massengrab beigesetzt. Jim Jones‘ Körper wurde eingeäschert.[69]

Die guyanische und amerikanische Regierung standen unter Druck, einen Sündenbock zu finden. Nach einigen Prozessen wurden Chuck Beikman, der bei den Toten in Georgetown mit einem Messer in der Hand gefunden worden war, und Larry Layton, einer der Schützen in Port Kaituma, für fünf und 18 Jahre inhaftiert.[70]

Einige Temple-Mitglieder versuchten zunächst, den Peoples Temple in San Francisco gemäß seiner ursprünglichen Mission aufrechtzuerhalten, doch schließlich kam man von diesem Plan ab. Am 26. Januar 1979 wurde der Peoples Temple offiziell aufgelöst.[71]

2       Sekten

Um zu verstehen, wie es zu der Macht von Jim Jones über den Peoples Temple und somit zu den fatalen Ereignissen im November 1978 kommen konnte, müssen zuerst der Terminus „Sekte“ und dessen Ausprägungen erklärt werden.

2.1     Definition

Eine Sekte wird definiert als

„eine kleinere Glaubensgemeinschaft, die sich von einer größeren Religionsgemeinschaft, einer Kirche, abgespalten hat, weil sie andere Positionen als die ursprüngliche Gemeinschaft betont, hervorhebt“[72]

oder eine

„kleinere Gemeinschaft, die in meist radikaler, einseitiger Weise bestimmte Ideologien oder religionsähnliche Grundsätze vertritt, die nicht den ethischen Grundwerten der Gesellschaft entsprechen“[73].

Sekten kennzeichnen sich dadurch, sich nach außen hin stark abzugrenzen, sogar von Familie und Freunden, aber vor allem von Andersdenkenden. Es existiert grundsätzlich eine autoritäre Führung durch eine Führerfigur, die unter keinen Umständen angezweifelt oder hinterfragt werden darf und die Anspruch auf den Besitz von absoluten Lehren, Methoden und Wahrheiten erhebt. Es gibt eine starke Informationskontrolle, die zu hierarchischen Strukturen innerhalb der Glaubensgemeinschaft und einem gewissen Elitebewusstsein führt. Den Mitgliedern wird etwas Bestimmtes versprochen, sei es die Lösung aller Probleme, das Versprechen auf Heilung oder das Versprechen auf Erlösung. Gleichzeitig jedoch werden bei ausbleibendem Erfolg Angst, Schuld und Scham induziert und Strafen angedroht. Die Mitglieder werden außerdem zu einer Bewusstseinsänderung konditioniert und beispielsweise durch Meditation, Trancetechniken, teilweise Schlafentzug und der endlosen Wiederholung von Mantras und Leitsätzen beeinflusst, ihr Bewusstsein auf die Gruppe und deren Wünsche und Ziele zu beschränken. Kritische Überlegungen werden dabei bestraft und das alte Wertesystem kontinuierlich ersetzt. Zusätzlich führen manchmal „Taufen“ und eine neue Namensgebung zum Entwickeln einer neuen Identität der Mitglieder. Des Weiteren werden die Beteiligten durch Einsammeln von Bargeld, Dokumenten und Frondiensten und dem Einsatz als Arbeitskräfte ausgebeutet und materiell abhängig gemacht. Milieukontrolle, Intransparenz, Schwarz-Weiß-Denken, Simplifizierung des Weltbildes, Sex-Appeal, Überreglementierung, Disziplin und Verschwörungsdenken sind weitere Merkmale.[74]

2.2     Unterkategorien

Es gibt diverse Unterklassen von Sekten. Sekten werden auch oft destruktive Kulte genannt, wenn sie den Handlungsspielraum, den freien Willen und die Menschenwürde der Anhänger immer mehr einschränken:[75]

Christliche Sekten basieren ihren Glauben grundsätzlich auf der Bibel, üben dabei aber besondere, strenge Auslegungen aus, wie zum Beispiel die Zeugen Jehovas oder die Neuapostolische Kirche.[76]

Extremistische religiöse Gruppen sind:

„Radikalisierte ultraorthodoxe Untergruppen großer Weltreligionen, die eine scheinbar besonders reine, ursprüngliche Form des Glaubens zu vertreten meinen. Sie lehnen jede Säkularisierung ab und befürworten Gewalt, um einen Gottesstaat zu errichten.“[77]

Beispiele dafür sind die Taliban, der Islamische Staat, Boko Haram[78] und Lev Tahor[79].[80]

Kapitalistisch-hedonistische Kulte haben als Ziel das Ansammeln von so viel Reichtum, Status, Macht und monetärem Gewinn wie möglich und die daraus folgende Erfüllung hedonistischer Wünsche. Charismatische Führer versprechen dabei Luxus, unfehlbare Geschäftsmodelle und schnelle Kicks und verbinden die Anhänger durch „strenge Regeln, Unterwerfungsrituale und Belohnungen“.[81] Z.B.: Drückerkolonnen, manche Investmentbanker-Kreise, Schneeballsystem-Werber.[82]

Neuoffenbarungsbewegungen sind „Gruppierungen, in denen eine auserwählte Person Botschaften, Visionen und Anweisungen direkt von Gott empfängt.“ Wie z.B.: Mormonen, Jakob Lorber, Mun-Bewegung, Universelles Leben[84], Emmanuel Swedenborg.[85]

Politsekten predigen apokalyptische Visionen und den globalen Zusammenbruch unserer Welt, führen Hasstiraden gegen alles Alteingesessene und haben als einziges Ideal ihre Weltanschauung und Ideen, wie etwa die LaRouche-Bewegung und Rotes Forum[86].[87]

Psychogruppen haben als Hauptziel, pseudowissenschaftliche „Psychotechniken“ zu lernen und anzuwenden, um das geistige Potenzial zu optimieren, übernatürliche Fähigkeiten zu entwickeln und andauernde Gesundheit zu besitzen. Die besten Repräsentanten dieser Gruppe sind Scientology, Ramtha und Landmark Worldwide[88].[89]

Spiritualisten/Spiritisten „empfangen mittels Medium – des eigentlichen Sektenführers – Botschaften von Jenseitigen, die häufig als die wahren geistigen Führer angesehen werden.“[90], wie z.B.: Bruno-Gröning-Freundeskreis, Kardecismus[91][92]

Es gibt darüber hinaus eine praktisch unbegrenzte Anzahl anderer Mischgruppen, die sich der Lehren der obig genannten Gruppierungen bedienen und sie in Form von diversen esoterischen Lehren, Naturreligionen, Geheimkulten und völkisch-rassistischen Anschauungen widerspiegeln.[93]

Der Peoples Temple wäre am ehesten als eine Mischung aus Politsekte, Psychogruppe und Spiritualisten zu bezeichnen, da er Elemente aus allen diesen destruktiven Kulten aufweist und sich in seinen späteren Lehren zum Beispiel auch an Scientology orientiert hat. Erstaunlich ist jedoch, dass der Peoples Temple erst nach dem 18. November 1978, mit Ausnahme einiger kritischer Presseartikel, als Sekte bezeichnet wurde. Nach außen hin war der Temple nur für sein soziales Engagement bekannt, die inneren Strukturen waren der Öffentlichkeit verborgen.[94]

2.3     Manipulationstechniken des Peoples Temple

Sekten wenden in ihrem Bestreben, neue Mitglieder zu gewinnen und zu binden, geschickte sozialpsychologische Tricks an, so auch der Peoples Temple.

Der wohl offensichtlichste ist das sogenannte „Lovebombing“, bei dem den Neuzugängen besonders viel Liebe, Lob, Aufmerksamkeit und Zuneigung zuteilwird, durch die sie sich dann in die gefühlte Abhängigkeit und Schuld der Gruppe stellen.[95]

Das dadurch entstehende Reziprozitätsgesetz fördert dann umso mehr das Verlangen, etwas an die anderen Mitglieder zurückzugeben und führt in Folge zu immer größer werdenden Gegenleistungen sowie zu der von Psychologen sogenannten „Foot-in-the-door-Technik“, dem kontinuierliche Verändern der Gewohnheiten und Normen, bis sie zu den eigenen werden.[96]

Zielgruppe dieser „Lovebombings“ sind hauptsächlich einsame junge Menschen, deren soziale Kompetenz etwas eingeschränkt ist und die auf so viel Zuneigung sofort ansprechen. Oft ist der klassische Typus auch sehr schüchtern oder unsicher und sucht nach Anerkennung. Mit dem normalerweise komplett durchstrukturierten Wochenprogramm der Gruppen werden diese Mitglieder gut eingebunden und fühlen sich der Gruppe sehr schnell zugehörig. Deborah Layton, ein ehemaliges Mitglied des Peoples Temple, berichtet, dass sie sich von ihrer Mutter nicht geliebt fühlte und ständig die Anerkennung ihres Vaters suchte. Da sie von ihrer Familie mit fortschreitendem Alter immer weniger Aufmerksamkeit bekam, griff sie zu immer extremeren Maßnahmen und Trotzhandlungen, um diese zu bekommen. Im Teenageralter fühlte sie sich so geringschätzt, dass sie die Schule schwänzte, schlechte Noten schrieb, regelmäßig exzessiv leichte und harte Drogen sowie Alkohol konsumierte und sogar versuchte, sich die Pulsadern aufzuschneiden. Der Peoples Temple bot ihr dann ein Refugium, wo „Father“ sie wie seine eigene Tochter behandelte und wo eine Gruppe von Leuten aus komplett verschiedenen sozialen Schichten ihr Bewunderung und Anerkennung entgegenbrachten. Jones gab jedem mit Komplimenten, Lob und Schmeicheleien das Gefühl, gewollt, wichtig und akzeptiert zu sein.[97]

„Er vermittelte uns das Gefühl, wichtig zu sein, und wir überließen ihm dafür unseren freien Willen“[98]

Deborah hatte zum ersten Mal das Gefühl, eine richtige Familie zu haben.[99]

Für kranke oder gebrechliche Menschen war vor allem das Versprechen der Heilung körperlicher Gebrechen attraktiv.[100] Durch Scheinheilungen in seinen Gottesdiensten sicherte sich Jim Jones so die Anhängerschaft vieler Menschen. Er schien alles für die Gemeinde zu geben und sich nie Zeit für sich selber zu nehmen. [101]

Ein weiterer Grundstein zum Überzeugen der Massen ist das „gegen den Strom schwimmen“, das Vertreten von Meinungen, die von denen der breiten Masse abweichen und die Kritik an der Gesellschaft. Diese Gemeinschaften sprechen dann ein Publikum an, das von sozialen Geschehnissen der Gegenwart betroffen ist. Der Peoples Temple hat in dem Fall die Ungleichheit der Ethnien und das Ausgrenzen der Unterschicht kritisiert und aktiv bekämpft. Jim Jones versprach Mitgliedern, ihren Platz in der Welt (beim Peoples Temple) zu finden. Aber auch die tatsächliche Verbesserung ihrer Lebensumstände – etwa durch Wohn-, Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten – war vor allem für Afroamerikaner ein wesentlicher Grund, sich dem Temple anzuschließen. Zweifelhafte Lehren, denen man eventuell nicht unbedingt zustimmte, wurden dann oft für ein Leben unter besseren Umständen in Kauf genommen.[102]

Jim Jones predigte stets den Untergang der Welt in Form eines alles-vernichtenden Atomkriegs. Jüngere Mitglieder unterliefen paramilitärischem Training, übten sich im Orientierungslauf, lernten Guerillataktiken und trainierten, unter extremen Bedingungen zu überleben, um sich auf die Welt nach dem Atomkrieg vorzubereiten. Jones versprach ihnen, dass, sobald diese Zeit gekommen wäre, der Peoples Temple dafür zuständig sein werde, die Welt wiederaufzubauen und zu leiten.[103]

Körperliche Bestrafungen waren dem Peoples Temple nicht fremd. Sobald man eine Verfehlung beging, wurde man öffentlich, physisch wie psychisch, gezüchtigt. Im Anschluss kam Jim Jones dann oft privat zu den Opfern, um ihnen beschwichtigend sagen, dass er es nicht zum Schlimmsten hätte kommen lassen – und dass er natürlich hätte eingreifen können, aber er dürfe ja nicht zeigen, dass er Lieblinge habe.[104]

Jim Jones lehrte die Existenz des Jenseits und dass er selbst „von ganz oben [gekommen wäre] um hier Seelen zusammenzubringen, die bereit sind, zur nächsten Stufe aufzusteigen.“[105] Es gebe unterschiedliche Entwicklungs- und Erleuchtungsstufen, die durch fortwährende Reinkarnation immer höher aufsteigen würden, die man aber nur erreichen könne, wenn man sich der Wahrheit verpflichte. Er selbst meinte, er sei die Reinkarnation von Jesus, Bab ed-Din und Lenin und könne durch die ihm dadurch gegebene Kraft den Mitgliedern zur jeweils nächsten Stufe verhelfen – aber natürlich nur, wenn sie täten, was er von ihnen wollte. Wenn sie seinen Wünschen nicht nachkämen oder gar aus dem Temple austreten wollten, werde das der Gemeinde schlechtes Karma bringen: die Mitglieder würden als niedrige Lebensformen wiedergeboren werden und 100 000 Jahre brauchen, um zu ihren derzeitigen Entwicklungsstand zurückzukommen. Er verbuchte Geschehnisse im Leben der Mitglieder, von denen diese profitiert hatten, auf sein eigenes Konto und verkaufte sich selber als Gott, indem er sagte: „Ich bin kein Durchschnittsmensch. Ich bin hier auf Erden, um Großes für die Bedürftigen zu tun. Ich bin hier, um göttliche Taten zu vollbringen, und ich brauche deine Hilfe.“[106] „Du sollst keinen Gott haben neben mir.“[107] Niemand der Mitglieder sei weise genug, um seine Entscheidungen und Visionen zu verstehen, geschweige denn zu hinterfragen. Zweifel an ihm wurden als Zeichen von Egoismus, Eitelkeit und kapitalistischem Denken interpretiert. Es entwickelte sich ein extremer Führerkult. Jones wurde von den Mitgliedern mit dem Präsidenten verglichen, Zeit mit ihm war kostbar und, unter vier Augen, heilig. Die Mitglieder taten alles, um ihm zu gefallen und seinen Wünschen entgegenzukommen.[108]

Durch diese Autorität konnte er Regeln aufstellen und bestimmen wie er wollte. Er deklarierte, dass im Peoples Temple alle Männer außer ihm homosexuell seien und dass es keine „echten“ Beziehungen jeglicher Art, seien sie familiär, sexuell oder freundschaftlich zwischen Mitgliedern geben solle, nur platonische. Dadurch etablierte er sich zum „einzigen wahren Mann“ und somit Einzigem, dessen sexuelle Bedürfnisse gerechtfertigt waren.[109] Mit dieser Moral konnte er erfolgreich, ohne Konsequenzen, viele seiner Anhänger, hauptsächlich Frauen, aber auch gelegentlich Männer, sexuell belästigen, missbrauchen oder sogar vergewaltigen – obwohl erwähnt werden muss, dass viele der Mitglieder willig mit ihm ins Bett stiegen. Einmalig hatte Jones Sex mit einer Minderjährigen, einem 14 Jahre alten Mädchen.[110]Er schaffte es, den Opfern danach überzeugend einzureden, dass dies nur zu deren Besten geschehen war, dass er ihnen damit helfen würde und dass es deren Schuld gewesen sei, dass es überhaupt dazu gekommen war. Die Schweigepflicht bezüglich aller Interaktionen mit Jones verhinderte, dass die restlichen Mitglieder von diesen Verbrechen erfuhren.[111]

Mitglieder wurden dazu aufgefordert, andere Mitglieder auszuspionieren, um ihre Treue zu beweisen, denn jeglicher Beweis von Zuneigung oder Liebe zu anderen Mitgliedern wäre ein Verrat an „Father“ und der Loyalität zu ihm gewesen. Kameradschaft oder sogar Freundschaft waren, vor allem später in Jonestown, (strengstens) verboten.[112]

Außerdem hingen immer Drohungen in der Luft. Ausgetretene Mitglieder hatten unerklärliche fatale Unfälle oder verschwanden auf mysteriöse Weise. Einzelpersonen oder Familien, die bei einem Fluchtplan oder -versuch erwischt wurden, wurden festgehalten und so lange unter Beobachtung gestellt, bis sie wieder den nötigen Anforderungen entsprachen. Oft passierten die beiden Szenarien auch nur wegen „negativer Gedanken“, die wöchentlich Jones gebeichtet werden mussten. Verprügelungen mit Holzbrettern und Gummischläuchen,[113] erzwungene Boxkämpfeunter nicht treuen Mitgliedern[114] und öffentliches Bloßstellen und Züchtigen waren immer gerechtfertigt, denn der Zweck heiligte die Mittel. Jones drohte Leuten, die sich in irgendeiner Weise schlecht über den Peoples Temple äußerten, sie durch seine politischen Freunde und somit mithilfe des Staates aufzuspüren und zu vernichten. Außerdem ließ er von seinen engsten Vertrauten zu jedem Mitglied sogenannte Erpressungsbänder anfertigen. Die Mitglieder mussten auf ihnen die schlimmsten Verbrechen gestehen, ob sie sie begangen hatten oder nicht. Sie wurden sogar dazu gebracht, Geständnisse von Kindesmissbrauch, Morden, geplantem Präsidenten- und Politikermord und weiteren ungesetzlichen Taten zu unterzeichnen.[115]

Durch Lügen, Enthalten, Missinterpretation und Zensur von Information konnte Jones sicherstellen, dass seine Worte als die absolute Wahrheit gesehen werden würden. Er machte den Mitgliedern weis, dass sie nicht zu viel erfahren durften, da die CIA hinter ihnen her war und bekanntlich ein Wahrheitsserum im Einsatz hatte, das ihnen sofort alle relevanten Informationen entlocken würde. Die Regierung habe Che Guevara, Salvador Allende, John F. Kennedy, Martin Luther King und Malcolm X ermordet und würde nicht zögern, auch ihn zu töten.[116] Diese Behauptung ließ er umso glaubhafter wirken, als er 1972 ein Attentat auf sich selbst inszenierte.[117] Die Regierung werde die Gruppe in eigens für sie errichtete Konzentrationslager stecken, um sie aus dem Weg zu räumen. Die Paranoia vor den Behörden verstärkte er zum Beispiel auch dadurch, dass er die Gruppe ab einem gewissen Zeitpunkt in Geheimsprache kommunizieren ließ und die Anzahl der bewaffneten Wachen rund um das Hauptgebäude und Kirchengelände erhöhen ließ. Er begann, bei jedem Ausgang bewaffnete Bodyguards um sich zu haben, um sich vor feindlichen Interventionen zu schützen.[118]

Wenn Abtrünnige, die fast immer Schweigegeldangebote erhielten, schlecht über den Temple sprachen, waren es – so Jones – stets Lügen, die sie erfanden, um ihr Gewissen zu beruhigen und sich zu verteidigen. Sie arbeiteten angeblich für die CIA und wurden von ihr dafür bezahlt, diese Aussagen zu tätigen. Jim veröffentlichte über diese „Verräter“ dann die im Vorhinein gesammelten falschen Verbrechensbezeugungen, was seinen Punkt noch mehr unterstützte. Wenn Außenstehende negative Aussagen jeglicher Art brachten, waren sie nicht erleuchtet, oder noch nicht auf der nötigen Entwicklungsstufe, um Jims Entscheidungen zu verstehen. Besonders gefährlich waren Jones Ansicht nach besorgte Familienmitglieder, die wissen wollten, was mit ihren Angehörigen beim Peoples Temple passierte.[119]

Um die Mitglieder später dazu zu bewegen, nach Guyana umzuziehen, verwendete er trickreich geschnittene Filme, die von paradiesischen Zuständen berichteten. Er versprach jedem Individuum ein perfektes Leben, wie sie es sich immer gewünscht hatten und belegte dies mit Aufnahmen. Die Filme waren natürlich hauptsächlich beschönigende Darstellungen vom Leben in Jonestown.[120]

Den schon in Jonestown Sesshaften teilte er dann gefälschte Nachrichten über den Stand in den Vereinigten Staaten mit, wie zum Beispiel über die Anzahl der Anwesenden bei Gottesdiensten. Post, die die Bewohner erhalten sollten, wurde stark zensiert oder in den meisten Fällen gar nicht zugestellt. Es sollte ihnen das Gefühl vermittelt werden, von der Außenwelt vergessen worden zu sein und niemanden mehr außer dem Peoples Temple zu haben. Wenn man im Lager auch nur den kleinsten Befehl verweigerte, sich beschwerte oder einfach nur zu langsam arbeitete, wurde man in eine isolierte Gruppe gesteckt, die doppelt soviel arbeiten musste und gesondert aß und schlief. Das Lager wurde „zum Schutz vor Invasoren“ bewacht, inszenierte Belagerungen und Angriffe sorgten für Angespanntheit, die gespielten Siege über diese dann wieder für Loyalität und Euphorie. Jim Jones sorgte unter anderem auch für den Gehorsam, indem er drohte, Nahestehenden etwas zustoßen zu lassen.[121]

Durch die Unterstützung von Politikern und berühmten Persönlichkeiten wie Angela Davis oder Huey Newton konnte Jones seine vermeintliche Unschuld und guten Absichten besser an die Öffentlichkeit bringen, was unter anderem zu verzögertem Handeln der Regierung und Öffentlichkeit führte.[122]

3       Fazit

Die Ereignisse des 18. Novembers 1987 sind als Beispiel für menschliche Leichtgläubigkeit und Folgebereitschaft in die Geschichte eingegangen. Eine einzelne Person schaffte es, durch ihr Charisma und durch Manipulation über 900 Menschen so sehr unter ihre Kontrolle zu bringen, dass sie ihm bis hin zum ultimativen Opfer des Massensuizids folgten. Das Sprichwort „Don’t drink the Kool-Aid“ – ein Satz, der zum Ausdruck bringen soll, dass man Autoritäten nicht blind folgen sollte – leitet sich von den Ereignissen ab.

Doch während das Ende des Peoples Temple grauenhaft und brutal war, waren die Anfänge es ganz und gar nicht. Den Mitgliedern ging es keineswegs darum, sich einem tyrannischen System zu unterwerfen, sondern ganz im Gegenteil um Freiheit und eine bessere und gerechtere Welt. Oft haben Demagogen wie Jones Erfolg, indem sie das Schlechteste in Menschen ansprechen. Jones hatte Erfolg, weil er das Beste in Menschen ansprach: den Wunsch, etwas Gutes tun zu können. Niemand trat dem Temple bei, weil er davon materiell profitierte. Ein Mitglied schrieb:[123]

„I do not want people to think we thought we were better than anyone else. Far from it, for all of us had our shortcomings. We just wanted to set an example of how people could live together in real equality and harmony.”[124]

Gemeinsam mit Jones immer wiederholter Beteuerung, dass jedes Mittel recht sei, um dieses edle Ziel zu erreichen, führte jedoch gerade dieser Idealismus zu einer immer stärkeren Isolation von der Außenwelt, zur Akzeptanz von immer härteren Lebensbedingungen, die angeblich im Sinne der Erreichung der „guten Sache“ nötig waren – und zu einem immer autoritärerem System, bis Widerspruch letztlich fast völlig unmöglich geworden war. Auch gibt es eine Tendenz, entweder aus Treue, Bequemlichkeit oder zur Rechtfertigung einmal getroffener Entscheidungen auch dann nicht von einer Sache abzuspringen, wenn man sich in ihr bereits unwohl fühlt. Im Falle des Peoples Temple wurden Veränderungen in der Temple-Führung den Mitgliedern so schleichend nahegebracht, dass sie im ersten Moment nicht alarmierend wirkten, die Veränderungen waren jeweils nur geringfügig. Erst in der Retrospektive lässt sich die massive Veränderung, die der Peoples Temple über die Jahre durchlaufen hat, erkennen.

Ein oft verwendetes Gleichnis illustriert dies: Wenn man einen Frosch ins heiße Wasser wirft, springt er sofort heraus. Wenn man aber das Wasser, in dem der Frosch sitzt, graduell erhitzt, wird der Frosch nicht herausspringen, bis es zu spät ist.

Deborah Layton findet am Schluss ihres Buches eine treffende Zusammenfassung für das mentale Gefängnis, das Sekten auferlegen:

“Unsere Warnleuchten müssten schon aufblinken, sobald jemand behauptet, dass sein Weg der einzig richtige sei. Wenn es untersagt ist eigene Gedanken und Fragen zu haben, und Zweifel unter Strafe gestellt werden, wenn Kontakte und Freundschaften außerhalb der Organisation zensiert werden, dann missbraucht man uns für einen Zweck, der die Mittel niemals rechtfertigen kann. […] Wenn man eine Lehre daraus ziehen kann, dann die, dass ein Ideal niemals durch Angst, Missbrauch und Furcht vor Bestrafung erreicht werden kann.”[125]

Fußnoten

[1] Anm.d.A.: Einschränkend muss gesagt werden, dass gut zwei Drittel der Opfer, die Kinder und zahlreiche Erwachsene, nicht freiwillig gestorben sind, und man deswegen durchaus von Massenmord sprechen kann.

[2] Guinn, Jeff: The road to Jonestown. Jim Jones and Peoples Temple. Simon & Schuster: New York, 2017

[3] Junker, Stefan: Die Opfer der Seelenfänger. In: Gehirn und Geist 20(2017) H.05, S. 30

[4] Layton, Deborah: Selbstmord im Paradies. Mein Leben in der Sekte. Suhrkamp: Waldbüttelbrunn, 2008

[5] Guinn, Jeff: The road to Jonestown. Jim Jones and Peoples Temple. Simon & Schuster: New York, 2017

[6] Vgl. Layton, Deborah (a.a.O.), S. 7 ff

[7] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 9 ff

[8] Vgl. Berhorst, Ralf: Jonestown-Massaker 1978: Das Grauen von Guyana. In: https://www.geo.de/magazine/geo-kompakt/7041-rtkl-glaube-und-religion-sekten-jonestown-massaker-1978 (dl. 28.12.2018, 16:54 Uhr)

[9] Vgl. Jim Jones. Biography. In: https://www.biography.com/people/jim-jones-10367607 (dl. 28.12.2018, 16:55 Uhr)

[10] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 9 ff

[11] Vgl. Jim Jones. Biography. In: https://www.biography.com/people/jim-jones-10367607 (dl. 28.12.2018, 16:55 Uhr)

[12] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 9 ff

[13] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 79

[14] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 80 ff

[15] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 82 ff

[16] Guinn, Jeff (a.a.O.), S.93

[17] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 84

[18] Primiano, Leonard: International Peace Mission Movement and Father Divine. In: https://philadelphiaencyclopedia.org/archive/international-peace-mission-movement-and-father-divine/ (dl. 03.10.2019, 12:05)

[19] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 85 ff

[20] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 93 ff

[21] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 97 ff

[22] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 92 ff

[23] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 109 ff

[24] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 122 ff

[25] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 126 ff

[26] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 133 ff

[27] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 142 ff

[28] Vgl. Layton, Deborah (a.a.O.), S. 79

[29] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 146 ff

[30] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 148 ff

[31] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 152 ff

[32] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 158 ff

[33] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 181 ff

[34] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 160

[35] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 176 ff

[36] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 191 ff

[37] Vgl. Layton, Deborah (a.a.O.), S.123

[38] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 191 ff

[39] Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 195

[40] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 185 ff

[41] Vgl. Layton, Deborah (a.a.O.), S. 83 ff

[42] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 186 ff

[43] Vgl. Layton, Deborah (a.a.O.), S. 87 ff

[44]Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 265 ff

[45] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 279 ff

[46] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 331 ff

[47] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 291 ff

[48] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 295 ff

[49] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 353 ff

[50] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 354 ff

[51] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 347 ff

[52] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 378 ff

[53] Roller, Edith: White Night

[54] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 385 ff

[55] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 394 ff

[56] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 415 ff

[57] Berthillier, Catherine/ Wolochatiuk, Tim: La folie meurtrière d’un gourou. In: https://www.youtube.com/watch?v=mhARVl4GTvE&t=1040s (dl 12.01.2019, 19:34 Uhr)

[58] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 423 ff

[59] Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 435

[60] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 435

[61] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 436 ff

[62] Vgl. Buchner, Priska: Das Jonestown Massaker. Das Protokoll der letzten Rede von Reverend Jim Jones. Bohmeier Verlag: Lübeck, 1995, S.5

[63] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 439 ff

[64] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 440 ff

[65] Buchner, Priska (a.a.O.), S.24

[66] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 440 ff

[67] Anmerkung: Es handelte sich dabei um Sharon Amos und deren drei Kinder, denen sie mit einem Messer die Kehle durchtrennte, bevor sie sich selbst tötete. Amos, die in Georgetown die Temple-Geschäfte leitete, galt als eine der fanatischsten Anhängerinnen von Jim Jones. Sie war die einzige Person außerhalb Jonestowns, die dem Tötungsbefehl Folge leistete.

[68] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 451 ff

[69] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 456 ff

[70] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 457 ff

[71] McGehee, Fielding: The Court’s Wrapping-up of Peoples Temple Affairs. In: https://jonestown.sdsu.edu/?page_id=13665 (dl 13.01. 2019, 14.40 Uhr)

[72] In: www.duden.de/rechtschreibung/Sekte (dl 30.07.2018, 21:42 Uhr)

[73] In: www.duden.de/rechtschreibung/Sekte (dl 30.07.2018, 21:42Uhr)

[74] Vgl. Junker, Stefan: Die Opfer der Seelenfänger. In: Gehirn und Geist 20(2017) H.05, S. 30

[75] Vgl. Junker, Stefan (a.a.O.), S. 28

[76] Vgl. Junker, Stefan (a.a.O.), S. 29

[77] Junker, Stefan (a.a.O.), S. 29

[78] Anmerkung des Autors: Boko Haram ist eine islamistische terroristische Gruppierung, die sich für die Einführung der Scharia in ganz Nigeria und dem Verbot westlicher Bildung einsetzt.

[79] A. d. A.: Lev Tahor ist eine jüdische Haredi Gruppe, die einer sehr strengen Auslegung des Judentums folgt.

[80] Vgl. Junker, Stefan (a.a.O.), S.29

[81] Junker, Stefan (a.a.O.), S. 29

[82] Vgl. Junker, Stefan (a.a.O.), S.29

[83] Junker, Stefan (a.a.O.), S. 29

[84] A. d. A.: Universelles Leben zählt zu einer der größten Sekten Deutschlands und lehrt eine neue, sehr esoterisch ausgelegte Interpretation der Bibel.

[85] Vgl. Junker, Stefan (a.a.O.), S.29

[86] A. d. A.: Rotes Forum ist aus der 68 Bewegung hervorgegangen und lehrt in der Theorie eine Art Marxismus, praktiziert aber im Endeffekt einen Widerstand gegen alles Etablierte.

[87] Vgl. Junker, Stefan (a.a.O.), S.29

[88] A. d. A.: Landmark Education Worldwide bietet psychologische Kurse an, um sein Sein zu entdecken, und um, in Form eines Sokratischen Dialogs, seine Lebensumstände effizienter nützen zu können.

[89] Vgl. Junker, Stefan (a.a.O.), S.29

[90] Junker, Stefan (a.a.O.), S. 29

[91] A. d. A.: Im Kardecismus wird eine pseudomedizinische-esoterische Ansicht gelehrt, dass Körper und Geist durch ein Band verbunden sind, dass man mit anderen Menschen mittels diesem Band kommunizieren kann und dass es ein Leben nach dem Tod gibt.

[92] Junker, Stefan (a.a.O.), S. 29

[93] Vgl. Junker, Stefan (a.a.O.), S.29

[94] Vgl. Buchner, Priska (a.a.O.), S.3

[95] Junker, Stefan (a.a.O.), S. 28 ff

[96] Vgl. Junker, Stefan (a.a.O.), S. 31

[97] Vgl. Layton, Deborah (a.a.O.), S. 17 ff

[98] Layton, Deborah (a.a.O.), S.73

[99] Vgl. Layton, Deborah (a.a.O.), S. 60 ff

[100] Vgl. Schmid, Georg: Sekten. Definition- Strukturen- Hilfe- Prävention. In: www.relinfo.ch/sekten/beitritt.html (dl 13.08.2018, 13:02 Uhr)

[101] Vgl. Layton, Deborah (a.a.O.), S. 55 ff

[102] Vgl. Layton, Deborah (a.a.O.), S. 59 ff

[103] Vgl. Layton, Deborah (a.a.O.), S. 79 ff

[104] Vgl. Layton, Deborah (a.a.O.), S. 75 ff

[105] Layton, Deborah (a.a.O.), S.59

[106] Layton, Deborah (a.a.O.), S.60

[107] Layton, Deborah (a.a.O.), S.12

[108] Vgl. Layton, Deborah (a.a.O.), S.7 ff

[109] Vgl. Layton, Deborah (a.a.O.), S.75 ff

[110] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 225

[111] Vgl. Layton, Deborah (a.a.O.), S.75 ff

[112] Vgl. Layton, Deborah (a.a.O.), S.7 ff

[113] Vgl. Layton, Deborah (a.a.O.), S.75 ff

[114] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 285

[115] Vgl. Layton, Deborah (a.a.O.), S.75 ff

[116] Vgl. Layton, Deborah (a.a.O.), S.121 ff

[117] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 156

[118] Vgl. Layton, Deborah (a.a.O.), S.121 ff

[119] Vgl. Layton, Deborah (a.a.O.), S. 123 ff

[120] Vgl. Layton, Deborah (a.a.O.), S. 140 ff

[121] Vgl. Layton, Deborah (a.a.O.), S. 200 ff

[122] Vgl. Layton, Deborah (a.a.O.), S. 170

[123] Vgl. Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 23 ff

[124] Guinn, Jeff (a.a.O.), S. 468

[125] Vgl. Layton, Deborah (a.a.O.), S. 399ff

Originally posted on May 23rd, 2020.

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